Verhalten erkennen, verstehen, verändern
Die Gefühlswelt beim Mensch und Hund
Unser Leben wird meist durch rationales Handeln bestimmt und nur wir Menschen sind in der Lage moralische Gefühle wie etwa Selbsterkenntnis, Scham oder Ekel und Einfühlungsvermögen, zu empfinden und unsere rationale mit der emotionalen Intelligenz effektiv zu entfalten.
Um ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen ist es für uns Menschen nicht notwendig die jeweilige Situation, mit welcher wir dieses Gefühl verbinden, auch zu erleben. Wir können hierzu auch bereits gewonnene, eigene Erfahrungen und Erkenntnisse, oder die anderer Menschen heranziehen und assoziieren.
Bei Hunden verhält es sich anders, alles was sie lernen, oder gelernt haben, wird von ihnen mit einer bestimmten Emotion verknüpft. Diese Emotion, wird dann in den entsprechenden Situationen in denen sie diese Verknüpfung aufgebaut haben, auch wieder bei ihnen ausgelöst. Sie sind dann wieder, wie auch während des Lernens, entweder neugierig, freudig erregt, ängstlich, aggressiv usw..
Jedes Handeln eines Hundes hat somit eine emotionale Grundlage und der Auslöser hierzu ist eine Sinneswahrnehmung und keine Folge einer rationalen Überlegung.
Hunde leben ihre Gefühle aus, statt sie zu hinterfragen.
Die Sinneswelt der Hunde
Rangfolge der Sinneswahrnehmung bei Hunden
1. Riechen
2. Hören
3. Sehen
Riechen
Hunde leben aber auch in einer Welt die uns weitestgehend fremd ist. In einer Geruchswelt. Sicherlich können auch bei uns Menschen Stimmungen und Emotionen durch einen Geruch hervor gerufen werden, aber für Hunde steht der Geruch an erster Stelle seiner Wahrnehmungen und diese beeinflusst im großen Maß sein Verhalten.
Die Stärke ihres Geruchssinns verdanken sie zum einen der Größe ihres Riechhirns, es macht allein zehn Prozent des Hundehirns aus ( beim Menschen etwa ein Prozent) und der Größe ihrer Riechschleimhaut, mit ihren bis zu 250 Millionen Riechzellen.
Die Riechschleimhaut bei Hunden ist ca. 150 cm , die Riechschleimhaut beim Menschen hingegen nur ca.10 cm , groß. Auch die Anzahl der Riechzellen ist hier wesentlich geringer. Es befinden sich ca. 30 Millionen Riechzellen auf unserer Riechschleimhaut.
Eine weitere Stärke des Hunde-Riechorgans ist die Möglichkeit zum selektiven Riechen , also zu einer sehr effektiven Trennung der Informationen aus den Gerüchen in beiden Nasenhöhlen. Diese Rechts- Linkstrennung macht es ihnen quasi möglich >stereo< zu riechen und so auch die Richtung einer Spur bestimmen zu können.
Hören
Das menschliche Gehör unterscheidet sich, zu dem der Hunde, durch zwei wesentliche Fähigkeiten. Zum einen hören Hunde in Frequenzbereiche, dass heißt in Tonhöhen, die unser menschliches Gehör nicht mehr wahrnehmen kann:
Mensch ~ 20 - 20'000 Hz,
Hund ~ 15 - 50'000 Hz,
Der zweite Unterschied besteht darin, dass Hunde ihre Ohrmuscheln bewegen und so Geräuschquellen, präziser als Menschen, orten können.
Eine weitere Stärke ihres Gehörs ist die, dass Hunde ihren Gehörsinn, ebenso wie den Geruchssinn, selektiv einsetzen können. Sie filtern auch hier sehr effektiv z.B. während sie schlafen laute Musik aus und hören dennoch wie der Briefträger ans Haus kommt, oder der Futternapf gefüllt wird.
Sehen
Der Gesichtssinn, also die Fähigkeit zu sehen, ist die schwächste dieser drei Sinne für Hunde. Hier sind wir Menschen den Hunden, mit einer Ausnahme, überlegen. Die des Dämmerungssehens..
Bei Hunden, mit einer sich durch ihre lange Nase verjüngenden Kopfform, sind die Augen schräg angesetzt. Dadurch haben sie mit ca. ca.240° einen größeren Radius im Gesichtsfeld ( der Mensch ca.180°) aber die Überschneidung der Gesichtsfelder vom linken und rechten Auge fällt wesentlich geringer als beim Menschen aus und so ist räumliches Sehen für sie nicht möglich.
Da Hunde ihrem Ursprung nach Raubtiere sind, ist für sie das Scharfsehen weniger wichtig als die Wahrnehmung minimaler Bewegungen, auch auf große Distanz.
Ein schnell flüchtendes Beutetier hat eine sehr viel höhere Priorität als detailertes Sehen und das Erkennen einer Silhouette.
Ein weiterer Unterschied, in dieser Sinneswahrnehmung zwischen Mensch und Hund, besteht in der Wahrnehmung von Farben. Zuständig hierfür sind sog. Zäpfchen in der Netzhaut des Auges. Der Mensch hat drei verschiedene Zäpfchen. Sie ermöglichen die Erkennung von Rot, Grün und Blau. Hieraus werden alle von uns wahrnembaren Farben gebildet.
Hunde haben nur zwei verschiedene Zäpfchen. Eines für Gelb und das Andere ist für Blau zuständig. Diese Farben werden gut erkannt. Rot wird vermutlich als dunkel Grau, Grün und Orange als Gelbton gesehen. Eine Farbunterscheidung, wie für uns, ist ihnen somit nicht möglich.
Wenn wir eine klare Vorstellung von dem haben, wie unser Zusammenleben mit unserem Hund aussehen soll, dann müssen wir auch unser Wissen über ihre Sinneswahrnehmungen und unsere Fähigkeiten zu rationalem Handeln, im Umgang mit unseren Hunden und ihrer Gefühlswelt, in Einklang bringen. Wir haben dann sehr viele Möglichkeiten uns einer anderen Spezies verständlich zu machen und werden so auch sehr viele, glückliche Momente mit unserem Vierbeiner erleben.
Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen,
sondern, das was wir über die Dinge denken.
Epiktet